15
Apr
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Transjugoslawien feiert gern: Das Berliner Soundsystem der “BalkanBeats” ist stolz auf seine subkulturellen Wurzeln. Den Club-Partys folgt jetzt ein Film und eine CD

“BalkanBeats” sind auf dem Weg zum Kultstatus. 13 Jahre nach der Gründung ist das Berliner Soundsystem nicht nur jeden zweiten Samstag im Monat im “Mudd Club” (Mitte) zu Gange, sondern gastiert regelmäßig in anderen deutschen und exjugoslawischen Städten. Letztes Jahr beschallten sie erstmalig New York und Los Angeles. Jetzt erschienen fast zeitgleich eine Balkan-Beats-CD und ein Dokumentarfilm über die Balkan-Beats-Macher.

BalkanBeats, das ist vor allem Robert Šoko. In der 45-minütigen Dokumentation “BalkanBeats Berlin”, von dem Berliner Nachwuchsfilmemacher Marko Valić produziert, erzählt der heute 35-jährige Bosnier, wie er 1989 aus seiner Heimatstadt Zenica nach Berlin kam – zwei Jahre vor Beginn der Jugoslawienkriege und aus dem schlichten Grund, dass ihm seine persönlichen und wirtschaftlichen Perspektiven im damaligen Jugoslawien nicht gefielen.

Zur Musik kam Šoko auf dem Umweg über Jobs als Bauarbeiter und Taxifahrer. Und weil ihm der Krieg um Exjugoslawien unfreiwillig zu einem Publikum verhalf: Unter den zahllosen Flüchtlingen, die zwischen 1991 und 1995 die Städten Westeuropas bevölkerten, gab es eine Menge junge Nachtschwärmer.

Auf der bei Eastblock Music erschienenen CD “BalkanBeats” dominiert Musik, deren balkanische Herkunft bereits beim ersten Hinhören klar ist. Das ist eigentlich untypisch: Denn Soko und sein ursprüngliches Publikum sind stolz auf ihren städtischen, subkulturellen Hintergrund. Sie stehen auf Rock, Punk, New Wave, Reggae, Ska, Industrial, HipHop und andere Musikarten, die nicht nur in Exjugoslawien, sondern weltweit gespielt werden. Das Element Volksmusik tauchte anfangs allenfalls auf, wenn es darum ging, sich von Nationalisten und anderen “Dörflern” abzusetzen.

Die Ausnahme von dieser Regel war schon in den frühen Neunzigern die Musik der balkanischen Roma. Die Sounds und der Habitus der exjugoslawischen, rumänischen, bulgarischen und ungarischen “Cigani” (Zigeuner) waren für die Balkan-Beats-Crew die kulturelle Brücke zwischen Street Credibility und Pathos. Die jungen Kroaten, Muslime und Serben, die sich gegen eine Teilnahme an den nationalistischen Kriegen in der Heimat und damit gegen ihr jeweiliges nationales Kollektiv entschieden hatten, fanden sich in der Kultur der – ebenfalls nicht klar national-religiös einzuordnenden – Roma wieder.

Der Versuch, über Punk und Gypsy-Musik die eigene, transjugoslawische Geschichte und Identität zu bewahren, gelang. Die Balkan-Partys im Arcanoa wurden schnell zum Insidertipp. Dazu kamen immer mehr Gäste, die Exjugoslawien lediglich aus den Filmen von Emir Kusturica kannten, und sprengten die räumlichen Möglichkeiten der linken Szenekneipe. 1995 begannen Soko & Co. mit größeren Partys an Orte wie den “Anorak”-Club im Prenzlauer Berg, den legendären “Club der Visionäre” am Schleusenufer oder in das “Oxymoron” in den Hackeschen Höfen zu ziehen.

Aus dem Taxifahrer Robert Šoko wurde immer mehr der DJ Soko. Sein Wissen über und seine Sammlung von balkanischer Musik von Punk bis Folk begannen, sich bezahlt zu machen. Er begann, Bands zu den regelmäßigen Partys im Mudd Club einzuladen.

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