Endlich haben die furiosen Berliner BalkanBeats Nächte auch ihren Niederschlag in einer eigenen Kompilation gefunden.
Nachdem der umtriebige Frankfurter DJ Shantel die Musik des ehemaligen Jugoslawiens und Osteuropas als hippe Alternative zum allgegenwärtigen Computer- und Plastik-Pop mit den “Bucovina Club”-CDs etablieren konnte, hat nun auch der Berliner Balkan Beats- DJ Soko seine Lieblingstitel auf einem Album veröffentlicht.
Die ganze Lebensfreude und die musikalische Kraft der südosteuropäischen Partymusik findet sich gebündelt in 15 Songs. Von den Stars der Gypsy-Brass Szene, wie Boba Markovic, Mahala Rai Banda und der Fanfare Ciocarlai, bis hin zu den neuen Folk-Pop-Acts, wie Magnifico, Ssassa, Let 3 und Yugoton reicht das Spektrum.
Eine Kompilation, die Spaß macht. Sorgt für gute Laune in der Radio MultiKulti Musikredaktion !
Als sich 1989 der eiserne Vorhang hob, hätte eigentlich alles gut werden sollen. Der naiven Sehnsucht trat alsbald aber der Realitätssinn für die Altlasten zur Seite.
Die Länder des Balkans waren nie selbstbestimmte Nationalstaaten, sondern litten am Erbe der vielfältigen geschichtlichen Wechselfälle. Sie waren der Spielball der Mächtigen unter osmanischer Herrschaft oder der Zankapfel zwischen Russland und der österreichischen Doppelmonarchie.
Stets war die südosteuropäische Region Durchgangsterrain. Besondere Kenn-zeichen: ein bißchen Schmutz und ein bißchen Korruption. Im Vielvölkerstaat von Josip “Tito” Broz funktionierte alles ganz gut, so lange der Chef selbst die Kontrolle ausübte.
Anfang der Neunziger jedoch geht das Yugoland aus den Fugen. Die vor dem Bürgerkriegsgemetzel Geflohenen suchen ihr Glück woanders – auch in Berlin.
Einer von ihnen ist der Bosnier Robert Šoko. Als klingende Assimilierungshilfe für sich selbst und andere Yugo-Exilanten etabliert er in der Kreuzberger Underground-Bar Arcanoa Tanznächte mit Balkan-Sounds.
Schon bald aber locken die “BalkanBeats” auch Nicht-Balkanesen zur Musik von Brass Bands und Zigeunermusik auf den Dancefloor. Was zuvor nach ferner Exotik klang, ist jetzt absolut hip.
Inzwischen legen DJ Šoko und sein Team zweimal monatlich im Berliner Mudd Club auf. Die “BalkanBeats” sind aber auch ein erfolgreicher Exportartikel über die Stadtgrenze hinaus bis nach New York und Los Angeles.
Für die rohe Energie, die anderen Klangfarben und Rhythmen, die Ausgelassenheit und Urwüchsigkeit der Klänge verbürgen sich auf “BalkanBeats” international bekannte Größen wie Goran Bregovic oder das Boban Markovic Orkestar.
Längst aber sind auch Kapellen aus den Dörfern und abgetakelten Vorstädten wie Fanfare Ciocarlia oder Mahala Raï Banda im Portefeuille der Konzertveranstalter.
Das Besondere an der Balkan-Musik ist nämlich, dass sie sich der stilistischen Festlegung entzieht. Was über die Jahrhunderte hinweg durch die Region gezogen ist, hat seine Spuren hinterlassen: Slawisches, der Orient, Jüdisches und immer wieder die Zigeuner, die fürs blanke Überleben stets zusammen mixten, was gerade verlangt wurde.
Einige der vertretenen Künstler gehen durchaus auch augenzwinkernd zu Werk. Sie persiflieren sattsam bekannte Balkan-Klischees und rücken sie mit Hilfe von Sounds aus Rock und Jazz in ein neues Licht.